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Am 1. September 1939 begann Hitler mit seinem Krieg gegen Polen. Jan wurde sofort nach Schweden zurückgerufen. Auch in Lilly war Chaos entstanden. Unsicherheit, Ungewissheit, Lüge und die im Unbewussten schlummernden Familienpflichten veranlassten sie, wieder nach Czernowitz zurückzukehren. Hozu offenbarte ihr auf dem blankgeputzten Parkett eine so tolle Begrüßung, dass er ausrutschte und Lilly dabei so unglücklich umwarf, dass sie sich dabei den rechten Arm brach. Ein trauriger Briefwechsel entspann sich für lange Zeit zwischen Czernowitz und Stockholm, und auch Lillys Schuhe flogen nicht mehr bis zur Decke.
Silviu beendete seine „Manon-Eimer-Affäre“, und mit Besorgnis sah man dem Jahr 1940 entgegen, dem Jahr der „Reifeprüfung“ von Nuni. Zu Nunicas Unterstützung engagierten die Eltern einen jungen Lehrer, Willibald Niefer. Dreimal in der Woche stellte er sich im Hause Dimitrovici ein. Er galt als einer der besten Latein-Spezialisten. Stets war er pünktlich, und dank seiner pädagogischen Künste schlich er sich nebst Caesar, Cicero und Tacitus in Nunis Herz ein. Die Unterrichtsstunden gestalteten sich lebhaft, und beide spürten insgeheim ihre Liebe füreinander. Doch konnte er Nuni aus „Komplexgründen“ seine Liebe nicht gestehen - ein Lehrer mit einem nicht gerade großen Gehalt und ohne Aussicht auf zukünftige Titel dürfe doch nicht um die Hand eines so reichen Mädchens anhalten!
Ihm zuliebe lernte Nunica fleißiger denn je und legte Ende Januar 1940 in aller Stille, kurz und schmerzlos, ihr Abitur ab.
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